Future Banking Innovation: Wie Startups & KI Banken verändern
08.01.2026
Andreas Iten, CEO und Co-Founder/Managing Partner, Tenity
Podiumsgespräch: die Referierenden präsentieren ihre Vision für die Zukunft des Bankings
Trends und Herausforderungen – der Banking-Markt im Wandel
Startups sind der Motor für Innovation: Revolutionäre Produkte und Technologien entstehen selten in Grossbanken, sondern werden oft in jungen Unternehmen entwickelt. Die agile Herangehensweise von Startups erlaubt schnelle Experimente – doch der Durchbruch dauert, auch im Fintech-Sektor, meist Jahre statt Monate. Gleichzeitig verschieben neue Technologien die Spielregeln: Sehr kleine Teams, teilweise sogar Einzelpersonen, können heute Produkte bauen und global skalieren sogenannte «One-Person-Unicorns», was den Innovationsdruck auf Banken weiter erhöht. Zugleich profitieren Banken heute noch von ihrer regulatorischen Stellung und vom Vertrauen der Kundschaft – ein Vorteil, der jedoch zunehmend herausgefordert wird, je einfacher es für kleine Teams wird, global Reichweite zu erzielen.
Regulierung – Chance und Hemmschuh zugleich
Regulatorische Vorgaben setzen klare Rahmenbedingungen, können Innovationen jedoch auch ausbremsen. Während bei Open Banking oder Krypto in anderen Ländern durch präzise Regeln neue Player entstehen, herrscht in der Schweiz noch Nachholbedarf. Wenn Regulierung klar ist, entstehen Marktbewegungen und neue Möglichkeiten für Startups. Auf der anderen Seite binden regulatorische Auflagen bei Banken viel Kapazität. Das verschafft Startups zusätzliche Chancen, weil sie agiler reagieren können. Zugleich betonte Iten, dass Regulierung für Banken nicht nur Aufwand bedeutet, sondern auch ein temporärer Schutz ist – ein Wettbewerbsvorteil, den es strategisch zu nutzen gilt, bevor er erodiert.
Künstliche Intelligenz – Effizienz oder Paradigmenwechsel?
KI bietet die Chance, Finanzprozesse effizienter und flexibler zu gestalten. Besonders kleine Teams können heute mit generativer KI (GenAI) global skalieren und neue Use Cases umsetzen. Kurzfristig liegt der Fokus auf Produktivität, langfristig wird KI auch Geschäftsmodelle verändern – ein Trend, den Banken nicht unterschätzen sollten. Andreas Iten betonte zudem, dass KI mittelfristig zu «Banking on Autopilot» führen kann. Das ist ein struktureller Wandel, der heute stark unterschätzt wird und weit über Effizienzthemen hinausgeht. Kurzfristig wird KI aber kaum in der Kundenschnittstelle von Banken zum Einsatz kommen, da Haftungsfragen und regulatorische Anforderungen derzeit verhindern, dass Banken Verantwortung an ein Modell delegieren – ein zentraler Punkt seines Vortrags.
Sicherheit und Vertrauen – Balance zwischen Innovation und Kontrolle
Die Finanzbranche steht vor der Herausforderung, Sicherheit und Vertrauen zu gewährleisten – besonders angesichts wachsender Cyber-Risiken. Innovation ist wichtig, doch Tempo ohne Kontrolle gefährdet das Kundenvertrauen. Banken und Startups suchen die richtige Balance zwischen Innovation und Compliance. Dabei hob Iten hervor, dass Banken sich Fehler nicht leisten können. Vertrauen ist ihr stärkstes Kapital. Startups können schneller innovieren, aber auch schneller Vertrauen verspielen. Diese strukturell unterschiedlichen Voraussetzungen prägen, wie beide Welten innovieren können. Iten zeigte den Zielkonflikt klar auf: Banken müssen gleichzeitig innovationsfähig und vertrauenswürdig bleiben. Geschwindigkeit ohne Kontrolle zerstört Vertrauen.Kontrolle ohne Geschwindigkeit bremst Innovationskraft.
Drei innovative Startup-Lösungen im Fokus
- Particula: Unabhängiges Rating und Monitoring von digitalen Vermögenswerten schafft Transparenz im Krypto-Markt.
- Adclear: Automatisierte Compliance-Checks machen die Vermarktung von Finanzprodukten effizienter und sicherer.
- CyberTide: KI-basierte Data-LossPrevention-Lösungen ermöglichen die sichere Nutzung von Cloud-Lösungen in regulierten Branchen.
Zusätzlich unterstrich Iten die fundamentale Rolle digitaler Identitäten: Die Schweiz hat beim Thema E-ID grossen Nachholbedarf. Sobald eine funktionierende E-ID verfügbar ist, wird sie zahlreiche neue Use Cases ermöglichen und das Kundenerlebnis deutlich verändern.
Fazit – dranbleiben lohnt sich
Erfolg entsteht, wenn Unternehmen kontinuierlich investieren und experimentieren, statt kurzfristig auf Trends zu reagieren. Startups brauchen einen langen Atem – und das gilt auch für Corporates: Wer auf einen Zehnjahreshorizont setzt, bleibt zukunftsfähig. Andreas Iten warnte ausdrücklich vor Hopp-on-Hopp-off-Innovationszyklen: Nachhaltige Innovationsfähigkeit entsteht nur durch kontinuierliches, aber massvolles Engagement. Er zeigte auch, dass Corporates häufig unrealistische Erwartungen an die Geschwindigkeit haben: Wenn Startups sieben bis zehn Jahre für einen Durchbruch benötigen, kann im Corporate-Umfeld niemand seriös erwarten, dass Innovation innerhalb von 12 bis 24 Monaten einen direkten ROI bringt.