Digitale Vermögenswerte und Vertrauen: Warum Banken jetzt handeln müssen

20.01.2026

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Stablecoins und neue Kundenerwartungen

Stablecoins, die an Währungen wie den US-Dollar gekoppelt sind, wachsen rasant und haben im Transaktionsvolumen PayPal bereits überholt. Besonders in Ländern mit schwacher Währung oder hoher Inflation ermöglichen sie Menschen einfachen Zugang zu stabilen Werten – oft ganz ohne klassisches Bankkonto. Was früher nur über informelle Märkte und Bargeld möglich war, funktioniert heute digital, global und in Echtzeit.

Damit verschieben sich Kundenerwartungen: 24/7-Zugriff, sofortige Abwicklung und nahtlose digitale Erlebnisse werden zur Norm, auch im Banking.

Tokenisierung als neue Marktinfrastruktur

Die Tokenisierung von Vermögenswerten wie Anleihen oder Fonds entwickelt sich von einem Experimentierfeld zur Marktinfrastruktur. Grosse Akteur:innen wie die Deutsche Börse investieren in Plattformen, auf denen Banken neben klassischen Wertschriften auch Bitcoin, Stablecoins und tokenisierte Produkte verwahren und abwickeln können. Tokenisierung adressiert dabei reale Marktineffizienzen: Heute werden Wertschriften gehandelt, bevor sie effektiv geliefert sind. Mit tokenisierten Assets erfolgt der Transfer erst, wenn das Asset tatsächlich vorhanden ist – schneller, sicherer und transparenter.

Für Banken ist eine robuste Custody-Lösung der Schlüssel: Wer heute sichere Verwahrung für Krypto-Assets anbieten kann, legt die Basis für zukünftige, tokenisierte Anlageklassen.

Wie digitale Assets Vertrauen schaffen

Vertrauen entsteht bei digitalen Vermögenswerten über transparente, programmierbare Regeln im Code statt allein über Institutionen. Bei Bitcoin ist die maximale Menge von 21 Millionen Einheiten fest definiert, bei tokenisierten Fonds lassen sich Mengenbegrenzungen und Anlagerichtlinien direkt technisch verankern. In einer Zeit, in der Versprechen und Regeln jederzeit geändert werden können, schafft unveränderbarer Code eine neue Form von Verlässlichkeit.

Echtzeitabwicklung, vollständige Nachvollziehbarkeit von Transaktionen und Auditierbarkeit in der Blockchain ermöglichen eine neue Qualität an Transparenz – von «trust me» zu «verify me».

Regulierung: Vom Hype zur Infrastrukturphase

In den USA sorgen klare Regeln für Krypto-ETFs und Stablecoins dafür, dass institutionelle Anleger:innen leichter Zugang erhalten und neue Geschäftsmodelle skalieren können. Stablecoins spielen dabei auch geopolitisch eine Rolle: Sie werden zunehmend zu einem neuen Nachfragekanal für US-Staatsanleihen und stützen die globale Bedeutung des US-Dollars.

In Europa schafft das MiCA-Regelwerk erstmals einheitliche Leitplanken für Verwahrung, Tokenisierung und Geldwäschereiprävention – und ebnet den Weg von der Hype- zur Infrastrukturphase ab 2026.

Die Schweiz steht demgegenüber unter Druck: Strenge Auflagen für spezialisierte Anbieter:innen und Unsicherheit bei der strategischen Ausrichtung führen dazu, dass Firmen und Innovation ins Ausland abwandern.

Vier Rollen für Banken im neuen System

Jan Brzezek sieht Banken im zukünftigen Finanzsystem vor allem in vier Rollen:

  • Custody und Zugang: Sichere Verwahrung von Krypto-Assets und digitalen Vermögenswerten sowie einfacher Zugang für Kundinnen und Kunden.
  • Abwicklung mit Fiat und Stablecoins: Effizientes Settlement von Zahlungen in klassischen Währungen und Stablecoins – rund um die Uhr und ohne Verzögerungen.
  • Tokenisierte Finanzprodukte: Emission und Strukturierung tokenisierter Anlageprodukte.
  • Compliance- und Identitätsinfrastruktur: Aufbau vertrauenswürdiger Identitäts- und Compliance-Services als zusätzliche Sicherheitsschicht im Web3-Umfeld.

Die entscheidende Frage lautet für ihn: Lernen krypto-native Player schneller Regulierung – oder lernen Banken schneller Technologie? Davon hängt ab, wer künftig die Marktinfrastruktur prägt.

Konkrete Empfehlungen an Entscheidungsträgerinnen

Brzezek plädiert dafür, dass Banken den Zeitpunkt für den Einstieg nicht länger hinausschieben. Dazu gehören:

  • Jetzt eine klare Digital-Asset- und Stablecoin-Strategie definieren
  • Eine Custody-Strategie (intern oder mit Partnern) festlegen
  • Pilotprojekte mit tokenisierten Produkten und 24/7-Abwicklung starten
  • Ein spezifisches Blockchain-Risikoframework aufbauen und Innovation bewusst zulassen

Denn der Markt wartet nicht: Wer heute nicht experimentiert und lernt, wird morgen nur noch reagieren können.

Mehr Markt, weniger Regulierung: Was digitale Vermögenswerte jetzt brauchen | Jan Brzezek