«Ein gutes Ecosystem innerhalb der Schweiz aufbauen»

20.12.2019

 

Dieses Jahr wurde die Initiative OpenBankingProject.ch gestartet, die es zum Ziel hat, neue innovative Geschäftsmodelle zu schaffen und Ökosysteme zu begünstigen. Im Interview Adrian Berger über die Hintergründe und Erwartungen.

Was verstehen Sie unter Open Banking und wie stellt sich die Entwicklung in diesem Bereich in der Schweiz dar?

Unter Open Banking verstehe ich den freien Zugang für Dritte zu Bankdienstleistungen via APIs. In der Schweiz gibt es kein Gesetz, das den freien Zugang zu Bankdienstleistungen für Dritte fordert, ganz im Gegensatz zu der EU. Und deshalb geschieht die Adaption von Open Banking in der Schweiz auf freiwilliger Basis und hinkt entsprechend hinterher.

Open Banking ist für uns ein sehr relevantes Thema, da das Exponieren von APIs für Dritte ein internationaler Trend ist und neue Geschäftsmodelle ermöglicht – auch in der Schweiz.

Was versprechen Sie sich vom OpenBankingProject.ch?

Ich verspreche mir eine offene Plattform, die es auf der einen Seite für Banken ermöglicht, auf freiwilliger Basis Teil eines digitalen Ökosystems zu werden. Auf der anderen Seite Fintechs die Möglichkeit gibt, die Schweizer Adaptierung der Standards in einer produktionsnahen Umgebung auszutesten und so zu guten Aussagen zu kommen. Und vor allem soll sie auch den Austausch zwischen den einzelnen Partnern ermöglichen und Know-how generieren, damit wir ein gutes Ökosystem innerhalb der Schweiz auch aufbauen können.

Wie unterscheidet sich das OpenBankingProject.ch von anderen Fintech- und API-Initiativen?

Ich sehe zwei Unterschiede zu den anderen mir bekannten Initiativen in der Schweiz

  1. Die Offenheit – alle dürfen mitmachen und sind herzlich willkommen
  2. Der Klare Fokus, auch eine Plattform zum konkreten Austesten der Schweizer Adaption von NextGenPSD2 für Dritte zur Verfügung zu stellen.

In welchem Gebiet ist Ihr Unternehmen/Institut tätig und inwiefern spielt für dieses Geschäftsmodell die Idee des Open Bankings eine Rolle?

Als Software-Engineering Unternehmen stellen wir zwei Komponenten her, die die Realisierung von sicheren Open Banking Lösung ermöglichen:

  1. Der Secure Access Hub Airlock schützt den Zugang zu den exponierten APIs und stellt mit dem Identity and Access Management sicher, dass nur berechtige Benutzer Zugriff auf die APIs erhalten.
  2. Unsere PSD2Box Lösung ermöglicht es Banken, Drittfirmen via APIs nach dem NextGenPSD2 Standard der Berlin Group Zugriff auf ihre Banking-Services zu gewähren.

Kurz: Wir liefern die Software-Komponenten, die ein Open Banking ermöglichen.

Wieso wird das OpenBankingProject.ch gerade jetzt lanciert?

Das Vorhaben ist klar im Kontext der EU-Direktive PSD2 zu sehen. Zusätzlichen Schub hat das Vorhaben durch einen ganz aktuellen Bezugspunkt erhalten: Ab Herbst 2019 müssen Finanzinstitute in der EU ihre APIs beliebigen Dritten zur Verfügung stellen. Das hat in mehreren Ländern der EU dazu geführt, dass in der Software-Industrie Standardisierungsbewegungen entstanden sind, bspw. die Berlin Group in Deutschland oder Open Banking in England. Dies mit dem Ziel, dass möglichst viele Bankinstitute die Vorgaben des Regulators auf die gleiche Art und Weise erfüllen, um die Idee eines offenen standardisierten Zugangs für Dritte zu ermöglichen.

Welches Potenzial haben offene Kollaborationsformen und digitale Ökosysteme: Werden sie die Finanzbranche und die Wirtschaft revolutionieren oder sind sie einfach zeitgemässe Erscheinungsformen im intellektuellen Dresscode von digitalen Wirtschaftsenthusiasten, die wieder verschwinden werden?

Ein gutes digitales Ökosystem ermöglicht, dass verschiedene Partner jeweils ihre Stärke einbringen können und daraus neue Lösungen entstehen, die vorher in der Stärke, in der Güte, in der Benutzerfreundlichkeit gar nicht möglich waren. Das gezwungene Aufbrechen der Wertschöpfungskette, die durch den Regulator im EU-Raum vorgegeben wurde, ermöglicht hier eine wirkliche Innovation. Und ich bin gespannt auf die neuen Lösungen, die kommen werden, weil ich der Überzeugung bin, dass diese besser sein werden. Bestimmte Anwendungsfälle werden besser, schneller, effizienter gelöst werden als die bisher dagewesenen.