Kultur der Mitbestimmung als Basis

Zürich, 06.03.2016 – Gabriela Keller

Artikel für Swiss IT Magazine vom März 2016

 

Wie kann eine Informatik-Firma die Mitarbeitenden beim lebenslangen Lernen unterstützen? Das Beispiel Ergon Informatik.

 

Die Informatik nimmt in der heutigen Wirtschaft (und auch in Zukunft) eine Schlüsselrolle ein. Nach wie vor ist es aber eine junge Branche, fundierte Ausbildungen auf Hochschulniveau existieren erst seit 30 Jahren. Auch in Bezug auf die Personalentwicklung und Weiterbildung stellen sich in der schnelllebigen Welt der Digitalisierung neue Herausforderungen. Die Informatik-Branche hat hier eine Pionierrolle und kann auch anderen Branchen aufzeigen, welche neuen Konzepte zur Anwendung kommen und wie ein Unternehmen seine Mitarbeitenden beim «lebenslangen Lernen» unterstützen kann.

 

Bei Ergon Informatik AG wird seit der Gründung vor 32 Jahren eine Kultur gelebt, die auf unternehmerischer Beteiligung der Mitarbeitenden, Transparenz und dezentraler Verantwortung in den Teams basiert. Diese Kultur stellt die Basis für das Weiterbildungskonzept von Ergon dar, das auf vier Säulen beruht.

 

1. Weiterbildung mit Jahresbudget

Die Mitarbeitenden von Ergon verfügen über ein freies Budget von zehn Arbeitstagen, die wahlweise in Geldbeträge umgerechnet und für Selbststudium, eigene Projekte, Konferenz- und Kursbesuche oder interne Veranstaltungen eingesetzt werden können. Wird das Budget nicht genutzt, verfällt es am Jahresende. Damit sollen die Mitarbeitenden zu regelmässiger Weiterbildung angeregt werden. Zusätzlich zum Jahresbudget gibt es alle fünf Jahre 20 bezahlte Weiterbildungstage als Sabbatical.

 

2. Eigeninitiative der Mitarbeitenden

Aus der Kultur der Mitbestimmung entstehen regelmässig Weiterbildungsinitiativen der Mitarbeitenden. Dazu gehören Vorträge, an denen sie sich gegenseitig von ihren Erfahrungen berichten, Brownbag-Sessions zu Technologie-Themen, Hackathons und eine jährliche Unconference. An dieser wird eine grosse Bandbreite von Themen in kurzen Inputreferaten vorgestellt und in interessierten Kleingruppen gemeinsam diskutiert. Im Gegensatz zu Konferenzen teilen sich die Teilnehmenden nicht in Conference Speakers und Zuhörer auf, sondern sind gemeinsam für einen relevanten Austausch zuständig.

 

3. Gemischte Altersstrukturen

Die Ergon-Teams sind altersmässig durchmischt, so dass Hochschulabsolventen und junge Berufstätige mit erfahrenen «Seniors» zusammenarbeiten. Dank langjähriger Berufserfahrung sind diese geübt im Analysieren von Problemstellungen, weil sie diese in ähnlicher Form bereits gesehen haben. Die frisch ausgebildeten Informatiker hingegen bringen die neusten Erkenntnisse aus der Forschung mit. Von diesem Mix können beide Generationen profitieren.

 

4. »Learning on the job»

Bei Ergon ist die Fluktuation mit drei Prozent im langjährigen Schnitt tief. Ein Drittel der rund 200 Ingenieure sind seit 15 oder mehr Jahren hier tätig. Sie verfügen in ihrem Fachgebiet über grosses Branchenwissen, das oft einen Wettbewerbsvorteil für Ergon darstellt. Trotzdem wird die Initiative der Mitarbeitenden begrüsst, die intern einmal das Team wechseln und so neues Wissen erwerben wollen. Dies ist eine attraktive und gern genutzte Möglichkeit. Dank der starken Diversifizierung von Ergon können sie in ein neues Fachgebiet wechseln, ohne das Unternehmen verlassen zu müssen. Im Laufe ihrer Anstellung übernehmen die Mitarbeitenden zudem mehr Verantwortung und erweitern ihr Aufgabengebiet um Projektleitung, Expertenfunktionen, Consulting oder Business Development.

 

Qualifizierte Erstausbildung tut not!

Alle diese Massnahmen können nur effektiv greifen, wenn die Mitarbeitenden über eine fundierte Erstausbildung verfügen. Das Konzeptwissen über Informatik, das in einem Hochschulstudium erworben wird, veraltet im Gegensatz zu einzelnen Technologien kaum und hilft, sich in neue Themen rasch und fundiert einzuarbeiten. Damit ist sie der Türöffner zu einer lebenslangen, erfüllenden Berufstätigkeit in einem der faszinierendsten Bereiche der heutigen Wirtschaftswelt.

 

Gabriela Keller ist ETH-Informatikingenieurin, Mitglied der Geschäftsleitung von Ergon Informatik AG und für Personal und Marketing verantwortlich.