IT-Shrink: Frauenparadies Informatik

Zürich, 13.05.2016 – Annette Kielholz

Kolumne für Inside-IT am 13. Mai 2016

 

Nein, man muss als Frau nicht Informatik studieren. Es reicht, in der Informatik zu arbeiten, um glücklich zu werden. Hier sind die 11 Gründe dafür.

 

1. Das Frauen-WC. Jede von uns kennt das: man ist am Open-Air, im Theater, im Kino – überall sind die Schlangen vor der Frauentoilette so lang, dass man sich während der Wartezeit schon fast einen Bart wachsen lassen und ins Männerklo wechseln könnte. Aber auch im Büro sind Frauen-WCs normalerweise immer besetzt, und die vielen Zahnbürsteli, Deosprays und Handcremen finden kaum Platz auf dem Regal. Nicht so in der IT – dank einem Männeranteil von über 80 Prozent gibt’s immer freien Zugang und luxuriöse Platzverhältnisse beim Versorgen der persönlichen Accessoires. Und dies natürlich auch an IT-Messen und -Events.

 

2. Der Lohn. In der Informatik verdienen wir fast gleich viel. Nämlich durchschnittlich nur 5 Prozent weniger als die Männer. Das ist zwar immer noch ein Unterschied, aber im Vergleich zu fast 20 Prozent in der gesamten Schweizer Wirtschaft doch schon recht fortschrittlich.

 

3. Die Liebe. Ich habe es nicht gern gelesen (zum Glück bin ich schon verheiratet): Die Ressource "gebildeter Mann" wird knapp. Sagt einer, der es wissen muss. Weil es immer mehr Akademikerinnen gibt (aber nicht mehr Akademiker) und diese Frauen nur einen Mann als Partner wollen, der intelligenter ist als sie. Das führt unweigerlich zu Frauen-Überschuss! In den USA gibt es bereits 36 Prozent mehr weibliche als männliche Akademiker, mit den entsprechenden Folgen für die Singlefrauen. Sollst du dir darum einen dümmeren Mann suchen? Nein, arbeite besser in der Informatik und unterhalte dich mit deinen klugen, gut ausgebildeten und humorvollen Arbeitskollegen. Hier ist die Welt noch in Ordnung!

 

4. Das Essen. An meiner ersten Arbeitsstelle in der Werbebranche ernährten sich die Kolleginnen vorwiegend von Kaffee und Zigis. Traurig, wenn man eine Vorliebe für Berner Platte und Zitronencake hat! In meiner Informatikfirma hingegen wollte mal eine Kollegin per Vorschlagswesen den Süssigkeitenschrank abschaffen, weil sie, wie alle anderen, der Versuchung sonst nicht widerstehen könne. Der Vorschlag wurde abgeschmettert und der Süssigkeitenschrank ist meist schon am Donnerstag leergeplündert. Auch sonst gibt’s hier vom Kaffee-Barista über den Filet-Grilleur, den Lokalbier-Beschaffungsprofi und die Buttercreme-Spezialistin einfach alles, was das Feinschmeckerherz begehrt.

 

5. Dein Name. Alle kennen ihn, schon ab deinem ersten Tag in der Firma. Kein Wunder, denn du gehörst ja zu einer 13-Prozent-Minderheit. Dass umgekehrt du halt nicht alle Namen von deinen Kollegen kennst, damit musst du umgehen können - oder Mitarbeiter-Memory spielen.

 

6. Das Thema. Zugegeben, die Informatik als Arbeitsinhalt ist eher vom Typ "spröde Schönheit", die sich nicht auf den ersten Blick erschliesst. Aber je besser man sie kennt, desto faszinierender wird sie. Kein Wunder, denn sie mischt ja praktisch überall mit in der heutigen Welt. Die Informatik ist – im positiven wie negativen Sinne – eine der Hauptverantwortlichen für viele Veränderungen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft und wird noch einiges mehr auf den Kopf stellen. In dieser Branche arbeiten – ja gerne! Ich will ja auch morgen noch dabei sein, und am liebsten mit so viel Fachwissen, dass ich auch was Qualifiziertes zur Welt beitragen kann.

 

7. Die Gespräche. Du dachtest, Informatiker seien wortkarg? Ich auch. Aber nach meinem Wechsel von der Finanz- in die IT-Branche stellte ich fest, dass Informatiker viel mehr Tiefgang haben als Finanzmenschen (selbstverständlich sind Kolumne lesende Finanzmenschen immer ausgenommen!) und sich darüber auch ausgesprochen gern austauschen. Sie diskutieren – wenn sie mal etwas aufgetaut sind – sehr gern über Gott und die Welt, über Menschen und Beziehungen, was die Zukunft bringt und was nicht und ob sie sich selber in 20 Jahren überflüssig gemacht haben. Warum das so ist, habe auch ich als Shrink noch nicht abschliessend ergründen können.

 

8. Die Trendsetter. Als die Pebble-Uhr frisch auf den Markt kam, hatten wir eine zum Rumspielen in der Firma. Ich habe mich freiwillig gemeldet und durfte sie – mit technischer Unterstützung eines Arbeitskollegen beim Einrichten – für mich ausprobieren. Auch eine der ersten Google Glass der Schweiz war bei uns. Das sind Dinge, die man dann gern so nebenbei erwähnt beim Smalltalk mit Nicht-Informatikern. Noch toller ist es, dass alle Easter Eggs, die die ganze Welt am 1. April oder sonst irgendwann je erfunden hat, von den Arbeitskollegen sofort entdeckt und intern geteilt werden.

 

11. Der Charakter. Informatiker sind unaufgeregt und selbstkritisch und behalten im Berufsleben (meist) beide Füsse auf dem Boden (ausser an Tagen wie diesem). Sie bauen als Ingenieure streng logische und hochkomplexe Systeme. Davon profitiere auch ich als Shrink im Arbeitsalltag mit einem nur mittelmässig ausgeprägten Zahlenflair: Denn meine Kollegen entdecken zuverlässig Tippfehler, logische Inkonsequenzen und andere Teufel, die im Detail liegen. Und weil sie Zahlen so sehr lieben, schliesse ich meine Begründungen mit einer der Lieblingszahlen meiner Arbeitskollegen: einer Primzahl! Es ist erst noch eine, die man binär und dezimal lesen kann.

 

Dieser Beitrag erschien in der Kolumne «IT-Shrink» auf inside-it.ch